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Rezension Gourmet-Krimi: Ella Danz „Unglückskeks“ – Angermüllers 8. Fall

Für alle, die sich – wie ich – leidenschaftlich gerne mit gutem Essen beschäftigen, aber ein kleines Problem mit dem Hüftgold haben, empfehle ich den absolut kalorienfreien Genuss des von Ella Danz‘ Gourmet-Krimi „Unglückskeks“.

Um was geht es?

Marlenes Lebenspartnerin Sophie hat durch einen schweren Unfall ihr Sprachvermögen verloren. Damit Sophie sich erholen kann, wohnen die beiden Berlinerinnen vorübergehend in einem einsam gelegenen Haus in der Nähe von Marlenes Geburtsort Bad Schwartau. Dann fällt die gehbehinderte Sophie die Treppe hinunter, wenige Tage später stürzt sie mit ihrem Rollstuhl in den Teich auf dem Grundstück. Marlene weiß nicht, wie es zu den Unfällen gekommen ist. Bedroht sie jemand? Und warum drängen sich ihre alten Schulkameraden regelrecht auf?

Zur gleichen Zeit versucht Kommissar Angermüller – Ella Danz‘ Serienheld – mit seinem Team die Identität eines ermordeten Chinesen zu ermitteln. Dass er Marlene und Sophie kennenlernt, ist Zufall. Doch schon bald wird deutlich, dass es eine Verbindung zwischen den beiden Frauen und Angermüllers Ermittlungen gibt.

Wunderbar „normale“ Figuren und eine spannende und berührende Geschichte

Ella Danz‘ „Unglückskeks“ ist in erster Linie ein Krimi mit einem spannenden Kriminalfall, Ermittlungen, Bedrohung und einer Auflösung, bei der es einen gruselt, weil sie so gar nicht weit hergeholt ist.

Doch der Roman ist viel mehr als ein Ermittlerkrimi. Ella Danz greift in ihren Büchern gesellschaftliche Themen auf und lässt sie wie beiläufig und immer dicht an der Wirklichkeit in ihre Geschichten einfließen. In „Unglückskeks“ spielt ein lesbisches Paar eine wichtige Rolle. Eine der beiden Frauen ist durch einen Unfall behindert. Wer jetzt denkt „Schon wieder so eine ‚arme, diskriminierte Minderheiten‘-Story, die auf die Tränendrüse drückt“, liegt voll daneben. Das ist eine der Besonderheiten in Ella Danz‘ Roman, ihre Figuren und Settings sind authentisch und voller Leben. Dass Marlene und Sophie ein lesbisches Paar sind, ist für den Fall letztendlich unbedeutend. Die sexuelle Orientierung der Protagonistinnen ist eben nicht – wie so oft in Krimis – Auslöser oder bestimmender Faktor der Krimihandlung. Sondern es geht um zwei Menschen, die mit einem Verbrechen in Berührung kommen und zufällig lesbisch sind. Es hätte statt Marlene und Sophie auch Klaus und Ilka oder Henry und Bernd treffen können.

Auch Sophies Behinderung und den Umgang des Paares mit der veränderten Situation beschreibt Ella Danz ganz unaufgeregt und ohne Larmoyanz. Was passiert, wenn der Partner oder die Partnerin durch einen Unfall das Sprachvermögen verliert? Wenn die Kommunikation kaum noch möglich scheint? Wie geht man damit um? Was löst so ein tiefgreifender Einschnitt in das Leben aus? Ella Danz‘ zeigt Marlenes Hilflosigkeit, manchmal Resignation und dann wieder Entschlossenheit und Hoffnung, zeigt, wie Sophie sich um Verständigung bemüht und wie hilflos, ignorant, aber hin und wieder auch aufmerksam und zugewandt sich ihre Mitmenschen verhalten.

Kein Gemetzel, sondern ein realistischer Polizeiroman

Doch auch der Kriminalfall kommt nicht zu kurz, wie es sich für einen anständigen Krimi gehört. Kommissar Angermüller ist – wie nicht anders bei Ella Danz zu erwarten – kein Superbulle, sondern ein menschlicher Kommissar mit einem ausgezeichneten kulinarischen Geschmack. Der Polizeialltag ist nicht glamourös und actiongeladen, sondern mühevolle Kleinarbeit im Team, in dem es Freundschaften, aber auch Konflikte gibt. Als Leserin zieht es mich mit, wie die Ermittler sich von Hinweis zu Hinweis arbeiten und endlich dem Täter auf die Spur kommen. Doch bevor sie die Schuldigen verhaften können, kommt es zu einem weiteren, ziemlich grausamen Mord. Zum Glück verzichtet die Autorin auf die ausführliche Schilderung des Tathergangs. Die Bilder, die sich auch ohne Beschreibungen von Gemetzel und Todeskämpfen in meinem Kopf breitmachen, reichen mir voll und ganz. Zum Schluss wird es sogar so spannend, dass ich mir gewünscht hätte, deutlich schneller lesen zu können.

Der besondere Genuss – der Gourmet-Aspekt im Krimi

Gutes Essen spielt in allen Krimis von Ella Danz eine Rolle. (Nicht umsonst heißen sie „Gourmet-Krimis“.) Es gelingt ihr, Rezepte, Speisen und – was ihr besonders am Herzen liegt – Slow Food in die Handlung quasi organisch zu integrieren, sodass die geneigte Leserin sich schon auf die Rezepte freut, die es im Anhang des Buches zum Nachkochen gibt. Alle Rezepte sind authentisch – entweder von der Autorin selbst oder von FreundInnen und Bekannten. So stammen die chinesischen Rezepte zum Beispiel von Ella Danz‘ chinesischer Kochlehrerin, exklusiv aus Beijing. Das Lapin au Cidre, nach einem Rezept der Autorin, das im Roman serviert wird, gibt es als kleine Kostprobe hier bei balance40plus: Lapin au Cidre.

Zwei Kritikpunkte

Zwei Wermutstropfen gibt es für mich im Buch: Zum einen kommen die mitspielenden Chinesen fast alle auf die ein oder andere Art nicht besonders gut weg – das war mir zu einseitig. Zum anderen verwendet Ella Danz‘ als Relativpronomen – wie heute leider oft üblich – „welcher“, „welches“, „welche“. Grammatisch mag das korrekt sein, aber stilistisch finde ich es grauselig. Es klingt angestaubt, umständlich und stört meinen Lesefluss. Aber das ist wohl Geschmacksache.

Fazit

Insgesamt ist „Unglückskeks“ ein spannender und realistischer Kriminalroman für alle, die echte Menschen und Geschichten in Romanen schätzen und auf tarantinoeskes Gemetzel gerne verzichten.

Von Ella Danz sind noch 7 weitere Kriminalromane mit dem sympathischen oberfränkischen Kommissar Angermüller erschienen – alle im Gmeiner Verlag. Mehr zur Autorin gibt es hier: www.elladanz.de

Ella Danz: Unglückskeks
Gmeiner Verlag 2014
Paperback, 342 S.
11,99 Euro
Auch als E-Book erhältlich (9,99 Euro)
ISBN: 978-3-8392-1518-0

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