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Brigitte-Diät: Kochfreudiger Klassiker

Seit mehr als 40 Jahren wirbt die Brigitte-Diät mit einer Fülle an Diätrezepten. Immer im Vordergrund: möglichst kalorienarme Mischkost. Um Heißhungerattacken zu vermeiden, setzt die Diät seit 2008 auf das Prinzip der Energiedichte. So sollen uns auch kleine und kalorienarme Portionen lange satt machen.

Auf einen Blick

Diät-Art: Mischkost, kalorienreduziert (1200kcal/Tag)

Herkunft

Die Brigitte-Diät wurde 1969 von den Redakteurinnen der gleichnamigen Frauenzeitschrift entwickelt, gemeinsam mit Ärzten und Diätexperten. Seitdem wird die Diät immer wieder aktualisiert, überarbeitet, auf den neusten wissenschaftlichen Stand gebracht und an Trends angepasst. Low Carb und Low Fat, in der Mischkostdiät finden sich Rezepte für beide Prinzipien.

Die Fülle der Rezepte für die Brigitte-Diät ist kaum noch überschaubar. Alle zwei Wochen erscheint die Zeitschrift, regelmäßig bestückt mit Diätrezepten, die sich an das saisonale Angebot richten: Spargel im Frühjahr, Erdbeeren im Sommer.

Die Brigitte-Diät gibt es in mehreren Varianten: Die 3-Kilo-Diät soll den schnellen Erfolg in 2 Wochen liefern, die Wohlfühl-Diät setzt einen zusätzlichen Fokus auf Stressabbau und Entspannung. Alle Brigitte-Diät-Varianten verlaufen aber nach dem, mit kleinen Veränderungen abgewandelten, Prinzip der fettarmen, kalorienreduzieren Mischkostdiät.

Theorie

1200 kcal pro Tag. Bei viel Sport 1400 kcal. Das ist die Grenze bei der Brigitte-Diät, damit man erfolgreich abnehmen darf – die negative Energiebilanz ist damit in aller Regel garantiert. Zusammen mit höchstens 40 g Fett darf man aber nicht mit üppigen Pasta-Sahnesoße-Portionen rechnen. Damit trotzdem nicht gehungert werden muss, basiert die Diät seit 2008 auf dem Prinzip der Energiedichte.

Die Energiedichte gibt an, wie viel Kilokalorien 100 g eines Lebensmittels haben. Lebensmittel mit niedriger Energiedichte haben oft einen hohen Wasseranteil und sind eher fettarm. Klassische Kandidaten sind Obst und Gemüse. Durch ihre geringe Anzahl an Kalorien pro 100 g darf man von Lebensmitteln mit geringer Energiedichte auch mehr essen, ohne zuzunehmen. Das füllt den Magen und macht so trotz weniger Kalorien satt.

Lange Pausen zwischen den Mahlzeiten sollen zusätzlich die Fettverbrennung ankurbeln. Die Brigitte-Diät orientiert sich an dem  4-4-10 Stunden Prinzip. Das heißt: Zwischen Frühstück und Mittagessen und Mittag- und Abendessen sollen jeweils mindestens 4 Stunden liegen. Zwischen Abendessen und Frühstück 10 Stunden. Diese Pausen zwischen den Mahlzeiten geben unserem Körper Zeit die aufgenommene Energie zu verarbeiten und die Fettverbrennung anzukurbeln. Essen wir zwischendrin etwas, wird dieser Prozess gestoppt – denn schließlich muss sich unser Körper nun erst einmal mit der frisch eingetroffenen Energieration beschäftigen.

Ablauf

Pro Tag dürfen bei der Brigitte-Diät 1200 kcal gegessen werden, die sich auf 3 Mahlzeiten aufteilen. Snacks für zwischendurch sind nicht eingeplant, dafür sollen die Hauptmahlzeiten mit viel Gemüse und wenig Kalorien satt machen.
Aus dem üppigen Sammelsurium an Diätrezepten kann man sich einen individuellen Tages- und Wochenplan nach dem Baukastenprinzip zusammenbasteln. Solange man auf die Kalorienangaben der jeweiligen Rezepte achtet, gibt es eine Vielzahl an Frühstücks-, Mittags- und Abendessen-Variationen, die beliebig kombiniert werden können. Das macht es für Vegetarierinnen ebenso leicht wie für Fischfreunde und, in begrenztem Maße, Bürojetter.

Zwischen den Mahlzeiten sollte reichlich getrunken werden: Aber nur kalorienarme oder kalorienlose Getränke, wie ungesüßten Kaffee oder Tee. Und natürlich Wasser.

Die neue Brigitte-Diät setzt in Punkto Ernährung auf die „Diätwende“. Darunter fallen die drei Säulen Stundenformel, Fatburner-Kick und Kalorienbremse.

Stundenformel: 3 Mahlzeiten – Frühstück, Mittagessen und Abendessen – reichen bei der Brigitte-Diät als Energielieferanten. Jeweils  mindestens 4 Stunden Pause zwischen dem Ende der einen Mahlzeit und dem Beginn der nächsten sollen die Fettverbrennung ungehemmt arbeiten lassen. Zwischen Abendessen und Frühstück liegen sogar 10 Stunden.

Fatburner-Kick: Als Fatburner sind bei der Brigitte-Diät jene Rezepte gelabelt, die besonders viel Eiweiß enthalten, im Durchschnitt rund 20% mehr. Der Hintergrund? Eiweiß besitzt eine geringe Energiedichte und hält lange satt. Der Fatburner soll also besonders gegen Heißhungerattacken wirken. Das Eiweiß stammt wahlweise aus Fisch oder Fleisch oder als pflanzliches Eiweiß aus Bohnengemüse und Sojaprodukten.

Kalorienbremse: Diese Rezepte haben 20 % weniger Kohlenhydrate. Kohlenhydrate haben eine hohe Energiedichte und hemmen den Fettabbau. Denn: Kohlenhydratreiche Lebensmittel erhöhen den Blutzuckerspiegel, durch die Ausschüttung des Hormons Insulin wird der Blutzuckerspiegel wieder ausgeglichen. Dieser Prozess ist sehr langwierig, steht aber auf unserer körpereignen Prioritätenliste ganz oben. Während dieser Zeit können wir kein Fett abbauen.

Das Diätprogramm rund um Energiedichte, Stundenformel und Fatburner wird durch Sport ergänzt. Die Brigitte-Website bietet dafür einen nützlichen Kalorienverbrauch-Rechner an. Hier kann man zwischen vielerlei Sportarten und Alltagsaktivitäten wählen und sich abhängig von Zeit, Gewicht und Geschlecht den individuellen Kalorienverbrauch errechnen lassen. Trotz dieses nützlichen Tools liegt der Tenor der Brigitte-Diät ganz klar auf der Ernährungsumstellung.

Ebenso wie die Fit-for-Fun-Diät gibt es auch bei der Brigitte-Diät einen kostenpflichtigen Online-Diät-Coach. Und ebenso wie bei dem Konkurrenten darf man hier individuelle Ernährungs- und Bewegungspläne und Hilfe von Experten erwarten. Das kostenpflichtige Abo ist monatlich, halbjährlich und jährlich buchbar.

Kritik

Die Brigitte-Diät punktet sicherlich mit ihrer Vielzahl an Rezepten. 40 Jahre Erfahrung haben eine reiche Sammlung und breite Auswahl an Brigitte-Diät-Rezepten hervor gebracht, einige davon sind auch auf der Brigitte-Website zu finden. Allerdings sind viele Rezepte zeitaufwändig und eher für die Kochfreudigen unter uns geeignet. Mittlerweile versucht sich die Diät aber auch an vielbeschäftigtenBerufstätige mit Blitzrezepten anzupassen. Fertiggerichte komplementieren das Paket für den schnellen Hunger.

Trotzdem bleibt die Diät zeitaufwändig. Immerhin, Mitkochen für Familie und Freunde ist problemlos möglich, auch auswärts Essen ist, wenn man die Kalorien im Blick hat, durch fehlende Verbote eher unkompliziert.

Ob die Häufigkeit der Mahlzeiten und damit die Stundenformel einen signifikanten Einfluss auf die Gewichtsreduktion haben, ist bis heute nicht wissenschaftlich belegt. Vergleichende Studien konnten nur minimale Unterschiede zugunsten von Probanden mit 3 Mahlzeiten pro Tag in Hinsicht auf BMI und Energiezufuhr feststellen. Probanden mit mehr als 3 Mahlzeiten gaben dafür an, weniger an Hungergefühl zu leiden. Eine strenge 4-4-10 Formel, wie sie die Brigitte-Diät vorschlägt, ist damit wissenschaftlich kaum haltbar. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat zu diesem Thema 2012 in einem Info-Paper einige interessante Informationen gesammelt und die Forschungslage vorgestellt. Letztendlich zählt die Energiezufuhr, deshalb sollten Abnehmwillige selbst entscheiden: Wenn wir zwischen den Mahlzeiten hungern und dann doch zu einem kalorienreichen Snack greifen oder uns deshalb durch die Diät quälen und sie schlussendlich abbrechen, dürfen wir die Stundenformel getrost vergessen.

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