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Glyx-Diät

Glyx steht für den „glykämischen Index“. Lebensmittel mit einem niedrigen Glyx halten länger satt, verhindern Heißhungerattacken und fördern dadurch das Abnehmen. Gemüse, Obst und komplexe Kohlenhydrate stehen im Mittelpunkt dieser Diät.

Auf einem Blick

Diät-Art: Mischkost, Stoffwechseldiät

Herkunft

Namensgeberin der Diät ist die deutsche Ernährungswissenschaftlerin Marion Grillparzer. Der glykämische Index (GI) wird seit 1980 vor allem in der Diabetes-Forschung untersucht: Der GI gibt an, wie sehr ein Lebensmittel unseren Blutzuckerwert ansteigen lässt. Ende der 90er Jahre erkannte Grillparzer den Zusammenhang zwischen Lebensmitteln mit hohen GI-Werten und unserem Hüftgold. Daraufhin prägte sie den Begriff „GLYX“ als lautmalerische Alternative zu dem medizinisch und kompliziert klingenden „glykämischen Index“. Die Diät verspricht Abnehmwilligen Erfolg, wenn sie auf Lebensmittel mit hohen Glyx-Werten verzichten.

Die Theorie

Wenn wir unser Mittagessen genossen haben und uns wieder an den Schreibtisch setzten, beginnt auch unser Körper mit der eigentlichen Arbeit: Einige biochemische Prozesse machen sich nun daran, die gerade aufgenommene Nahrung zu verarbeiten. Entscheidend dafür ist auch der glykämische Index, den Grillparzer „Glyx“ genannt hat. Er gibt an, wie schnell und stark ein Lebensmittel unseren Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Denn egal ob Obst, Brot, Gemüse oder Nüsse, jedes Lebensmittel wirkt sich unterschiedlich stark auf unseren Blutzucker aus. Steigt der Blutzuckerspiegel sehr schnell an, spricht man von Lebensmitteln mit hohem Glyx, dazu gehören beispielsweise Nudeln oder Weißbrot. Verläuft der Anstieg eher langsam, haben Lebensmittel einen niedrigen Glyx, z. B. Gemüse und Obst.

Mit jedem Anstieg des Blutzuckers wird Insulin ausgeschüttet. Dieses Hormon ist dafür verantwortlich, unsere Blutzuckerkurve stabil zu halten: Insulin transportiert den Zucker in unsere Körperzellen, dort wird ein Teil als Energie verarbeitet und ein anderer Teil in Fettpölsterchen als Energiespeicher für schlechte Zeiten umgewandelt. Lebensmittel mit hohen Glyx-Werten begünstigen die Insulinausschüttung und damit überflüssige Pfunde: Denn der Körper reagiert sehr heftig auf die schnelle Erhöhung des Blutzuckers und schüttet weit mehr Insulin aus als bei einem schwachen Anstieg. Während die vielen Insulin-Hormonen daran arbeiten den überschüssigen Zucker aus dem Blut zu tragen, kann es passieren, dass sie über das Ziel hinausschießen – und es zu einer zeitweisen Unterzuckerung kommt. Unser Körper reagiert auf diese Mangelerscheinung dann mit Heißhunger, der einen Teufelskreis auslöst: Durch den Heißhunger essen wir noch einmal. Und das Insulin trägt den Zucker weiter fleißig aus der Blutbahn direkt in unsere Körperzellen. Diese haben mittlerweile so viel an überschüssigem Zucker, dass sie ihn in Fettzellen als Energie speichern.

Lebensmittel mit niedrigem GLXY hingehen lassen den Blutzucker nur langsam und weniger steil ansteigen. Damit verhindern sie eine überschüssige Insulinausschüttung, geben unserem Körper Zeit die aufgenommene Energie zu verbrennen und verhindern Heißhungerattacken. Kurzum: Lebensmittel mit niedrigem GLYX halten länger satt und setzen nicht an.

Die Ernährung

Um die recht komplexe Theorie für Abnehmwillige nutzbar zu machen, arbeitet die Glyx-Diät mit einem Ampelsystem: Rot sind alle Lebensmittel mit einem hohen Glyx, gelbe Lebensmittel haben einen mittleren Glyx und Grüne einen niedrigen – und sind natürlich aus Sicht der Diät zu bevorzugen. In einer Tabelle  kann man einige Lebensmittel und ihre Glyx-Farbe nachschlagen. An 3 Mahlzeiten pro Tag darf man sich an Lebensmitteln mit grünem Glyx sattessen. Zwischenmahlzeiten sollten bei dieser Diät aber vermieden werden.

Im Wesentlichen unterscheidet der Glyx zwischen komplexen und einfachen Kohlenhydraten. Einfach Kohlenhydrate, wie man sie in Weißmehl, Reis und Kartoffeln findet, haben einen hohen Glyx, komplexe Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten besitzen hingegen einen niedrigen Glyx. Nudeln aus Hartweizengries sind deshalb weniger für diese Diät geeignet als ihre Vollkorn-Kolleginnen. Auch bei Backwaren soll nach der Glyx-Diät möglichst auf Vollkornprodukte zurückgegriffen werden. Obst, Gemüse, aber auch Fleisch, Fisch und Fette schneiden bei dem Glyx-Wert gut ab. Den Fett-Anteil darf man als Abnehmwillige jedoch nicht aus den Augen verlieren: Die Glyx-Tabelle bietet auch hier ein Ampel-System. Ideal für die Glyx-Diät geeignet sind Produkte mit niedrigen Fett- und niedrigen Glyx-Werten.

Mageres Fleisch und Fisch, viel Obst und Gemüse sowie Volkornprodukte als Energielieferanten sind so die Basis der Glyx-Diät. Die Essensempfehlungen haben daher große Überschneidungen mit den allgemeinen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Mehrwert, Ratgeber, Psychologie: Glyx-Gefühle?

Als Marion Grillparzer vor über 10 Jahre den „Glyx“-Begriff erfand, wollte sie positive Assoziationen schaffen: Eine Diät, die langfristig glücklich macht. Besucht man die Webseite der Glyx-Diät, finden sich viele Hinweise auf diesen psychologischen Schachzug.

Letztendlich unterscheidet sich die Ernährungsweise der Glyx-Diät nicht wesentlich von anderen Mischkost-Diäten und allgemeinen Empfehlungen. Der Glyx-Wert mit dem Ampelsystem hilft allerdings bei der Orientierung: Auf einen Blick soll klar werden, welche Lebensmittel gut für mich und meinen Körper sind. Und das Ganze ist untermauert mit einer Theorie, die für jeden logisch nachvollziehbar ist.

Trotzdem ist es natürlich so: Auch wenn man nur Lebensmittel mit niedrigen Glyx isst, nimmt man nicht notwendigerweise ab. Nur wenn wir am Ende unseres Tages eine negative Energiebilanz besitzen, können wir abnehmen. Das heißt, wir haben weniger Energie zu uns genommen als verbraucht. Erst dann beginnt der Körper langsam unsere Energiereserven im Körperfett anzugreifen. Grillparzers Diätkonzept und die Rezepte und Diätpläne, die sich in den zahlreichen Büchern finden lassen, setzen deshalb vor allem auch auf eine Kalorienreduktion: Mit einem kalorienarmen „Fatburner“-Drink am Morgen spart man bei der Glyx-Diät von Grillparzer bereits zu Beginn des Tages einige Kalorien. Das ebenfalls empfohlene, umfangreiche Sportprogramm tut das Übrige.

Zusätzlich zu den zahlreichen Ratgeber- und Rezeptbüchern und Ebook-Ratgebern bietet Grillparzer kostenpflichte persönliche Coachings an. Auf der offiziellen Website kann man sich in einem öffentlichen Forum mit Gleichgesinnten austauschen. Rezepte, Tabellen und Informationen sind so schnell und leicht zugänglich.

Kritik

Die Glyx-Diät möchte mit ihrem Verweis auf den glykämischen Index durch scheinbar belegbare, wissenschaftliche Fakten überzeugen. Und das Ampelsystem, das die meisten gängigen Lebensmittel in schlechte, mittelmäßige und gute Lebensmittel einteilt, soll eine schnelle und einfache Orientierung bieten. Allerdings wird die Orientierung am Glyx etwas komplizierter, wenn man weiß, dass der Glyx auch von der Verarbeitung des Lebensmittels abhängt. So haben rohe Möhren einen niedrigen Glyx, kocht man sie, besitzen sie einen hohen. Reife Bananen haben einen wesentlich höheren Glyx als grüne Bananen. Rohe Kartoffeln haben einen exzellenten Glyx-Wert, der allerdings leider verpufft, wenn man sie in Salzwasser kocht. So erschließt sich nicht immer logisch, welche Lebensmittel wie zubereitet werden dürfen oder in den Einkaufswagen dürfen – das Nachschlagen in Tabellen gehört bei der Glyx-Diät also zum Alltag.

Weitere Kritik an der Theorie kommt aus den Reihen der Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Denn der Blutzuckerspiegel wird nicht allein von dem glykämischen Index beeinflusst. Eine ebenfalls große Rolle für den Anstieg oder Abfall des Blutzuckerspiegels spielen Fett- und Ballaststoffgehalt eines Lebensmittels und natürlich unser individueller Stoffwechsel. In einer Stellungnahme weist die DGE deshalb daraufhin, dass der Glyx als alleiniger Faktor für die Gewichtsreduktion unsinnig sei.

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