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Liebreiz

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Bin ich schön?

Ein Gedankenexperiment. Eine Aufgabe für euch. Macht euch zwei Listen.

Auf die eine Liste schreibt ihr 10 Dinge, die ihr an eurem Äußeren nicht mögt.
Auf die andere Liste schreibt ihr 10 Dinge, die ihr an euch schön findet.

Lasst mich raten. Die erste Liste hattet ihr in Nullkommanichts ausgefüllt. Über der zweiten grübelt ihr jetzt noch – und vielleicht kullern bei der ein oder anderen die ersten Tränen.

Also, bei mir ist das so.

Dabei finde ich mich, so gesamt gesehen, eigentlich recht hübsch.  Also nur, wenn ich frisch geduscht, frisch geföhnt, und ein bisschen angepinselt bin und keinen Bad Hair-Day habe, und mich aus einem bestimmten Winkel vor dem Spiegel ansehe....ähem....dann, ja dann erkenne ich da etwas, lächle und finde, dass ich eigentlich ein wirklich hübsches Lächeln habe. Und ganz passabel aussehe. Auch noch jünger als ich eigentlich bin. Aber diese 10 schönen Dinge an mir, die finde ich richtig schwer zu sehen! Also, so ein paar fallen mir ja noch recht schnell ein. Meine Gesichtshaut ist noch so „jung“. Mein Lächeln. Meine Augen, so graublau gesprenkelt. Mein Mund, den mag ich auch sehr gerne. Und dann wird es schwierig – und ich ertappe mich auch dabei, wie ich das, was mir zu mir Schönes einfällt, gleich relativiere. („Die Haut im Gesicht ist ja prima, aber die Cellulitis und die Schwangerschaftsstreifen. Nunja. Schön würde ich das jetzt nicht nennen“...)

Hat das was mit diesem "Bescheidenheit ist eine Zier" zu tun?

Und es geht ja nicht nur mir so. Sehr berührend fand ich das Video von DOVE, das letztes Jahr durch die Medien ging. In einem Experiment sitzen Frauen hinter einem Vorhang und beschreiben sich einem Zeichner, der nur nach den Vorgaben der Frauen ein Porträt zeichnet. Danach zeichnet der Künstler die gleichen Frauen nochmal – und zwar nach der Beschreibung einer anderen Frau, die der ersten beim Rausgehen begegnet ist. Später sieht man, wie die Frauen ihre beiden Porträts ansehen, in Tränen ausbrechen. Das Selbstbild ist um so viel unvorteilhafter als das, was andere in uns sehen.

Wieso ist das eigentlich so?

Ich weiß es nicht, es ist eine offene Frage. Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue, sind diese kritischen Selbsturteile auch losgelöst vom objektiv Äußeren. Die bildhübsche, schlanke Blondine zupft genauso unsicher an ihrem Rock und prüft, ob ihr Hintern nicht doch zu dick ist, wie jede andere Frau auch.

Was ist überhaupt Schönheit?

Neulich bin ich beim Zappen im Fernsehen über einen Schönheitsforscher aus Wien gestolpert. Schön ist das, was dem Durchschnitt am Nächsten kommt, sagte er. Rein mathematisch lässt sich das berechnen. Und die Probandinnen bestätigten seine These am Moderator. Der zwar ein schönes Gesicht hat, aber mit 1,70 leider nicht schön sein darf. Sagt der Schönheitsforscher.

Komisch irgendwie. Schönheit ist das Nonplusultra unserer Gesellschaft. Und während wir Individualität als das höchste Gut propagieren, streben wir gleichzeitig alle nach noch mehr Gleichformigkeit. Denn wenn Schönheit das ist, was dem Durchschnitt am Nächsten kommt, ist nicht das Besondere, Einzigartige schön, sondern das Mittelmaß aller. Alle jung, alle schlank, alle irgendwie europäisch (in Asien gibt es eine ganze Schönheitsindustrie, die Asiatinnen "runde Augen" bastelt. #wtf - aber das ist nochmal ein eigenes Thema). Dafür, dass wir alle so unglaublich individuell sein wollen, sind wir verdammt darauf ausgerichtet, möglichst alle gleich auszusehen.

Hoffnungsschimmer.

Aber es wird besser. Zumindest bei mir persönlich. Je älter ich werde, desto eher mache ich meinen Frieden mit mir. Als ich 20 war, wog ich gute 25 Kilo weniger und war alles in allem sicher „hübscher“ als heute – entsprach zumindest optisch eher dem Mainstream-Schönheitsideal. Dennoch gibt es fast keine Fotos aus dieser Zeit, weil ich mich schämte und mich nicht auf Fotos sehen wollte. Mich dick und hässlich fühlte.

Früher habe ich mich auch viel mehr mit anderen Frauen verglichen und beim Blick auf mich die Mängelliste erweitert. Das mache ich nicht mehr. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich da eine bewusste Entscheidung getroffen hätte, ich habe auch keine Therapie gemacht. wink Ok. Was ich nicht mehr mache, ist Frauenzeitschriften lesen. Vielleicht hat das zum Glück beigetragen. *gg*

Hm.  Mit dem Thema bin ich noch nicht durch. So viel steht fest.  Und meine Liste habe ich noch nicht komplett! Und ihr so? Fällt es euch das leicht, die Liste zu erstellen mit den 10 Merkmalen, die ihr an euch schön findet? Mögt ihr sie in die Kommentare posten? Vielleicht hilft es ja auch eine gute Freundin zu fragen? So wie in dem Dove-Sport sehen uns andere vielleicht ganz anders und viel positiver?

 

 

 

 

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