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Curvy is sexy – Plus-Size-Modemesse auf der Fashion Week Berlin

Zum zweiten Mal gab es auf der Fashion Week eine Modemesse für Frauen jenseits von Size Zero (für alle, die es nicht wissen: Size Zero ist die Größe XS bzw. 32, also im Grunde eine Kindergröße). Entstanden ist die Idee für die Curvy is sexy aus der Not heraus. Weil Stephan Sonn von der Starnberger Modeagentur Sonndesign seine Plus-Size-Labels auf den etablierten Modemessen nicht unterbringen konnte, gründete er seine eigene Messe: die Curvy is sexy.

Übergrößen beginnen schon bei Größe 38

Stephan Sonns Problem verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass die „Übergrößen“ auf der Curvy is sexy bereits bei Konfektionsgröße 38 anfangen. Eine Konfektionsgröße, die ich bislang für das Normalste vom Normalen gehalten habe. (Einen Post, der das Drama der „Übergröße“ 38 wunderbar auf den Punkt bringt, hat Die Eskapistin geschrieben)

Kein Wunder also, dass bei der Curvy is sexy nicht nur Modells mit einer – grob geschätzten – Größe 44/46 über den Laufsteg stiefelten, sondern auch die ein oder andere dabei war mit einer für mein Empfinden auf einer Plus-Size-Show reichlich unpassenden 36/38 – was natürlich immer noch deutlich über dem liegt, was vermutlich zur gleichen Zeit in anderen Locations über den Catwalk stakste. Labels, die auf der Curvy is sexy ihre Show-Modelle in 48 anliefern, haben ein echtes Problem. Denn ganz ehrlich: Einige der Outfits sahen an schlanken Modells einfach nicht aus – Sack sag ich nur …

Auch die überwiegend jungen Frauen auf den Postern waren nur in Ausnahmefällen deutlich kurviger als die, die wir gemeinhin aus einschlägigen Zeitschriften kennen. Eine der rühmlichen Ausnahmen ist das dänische Modelabel Zizzi, dessen Modell mit all seinen Rundungen super schön und sexy ist.

Zizzi präsentiert Plus-Size-Mode mit tollen Plus-Size-Modells

Foto: zizzi - ball group denmark

Zizzi macht junge, tragbare Mode, die das Label auf der Messe an XXL-Schaufensterpuppen präsentiert. Und: Zizzi macht ausschließlich Mode für Größen von 42 aufwärts.

Auch ausschließlich für Frauen mit mehr am Körper entwirft die niederländische Designerin Lies Bossink mit ihrem Label exelle. An ihrem Stand hätte ich mit Begeisterung mindestens die Hälfte der Modelle eingepackt. Aber Curvy is sexy ist ja keine Verkaufsmesse. Deshalb muss ich warten, bis die Herbst-Kollektion, die auf der Messe gezeigt wurde, in die Geschäfte gewandert ist.

Nicht alle DesignerInnen machen Mode ausschließlich in großen Größen. Viele haben mit „normalen“ Größen begonnen und irgendwann die sehr dankbare und kauffreudige übergewichtige Kundschaft entdeckt. Bei manchen ModemacherInnen, mit denen ich mich unterhielt, beschlich mich sogar das ungute Gefühl, dass allein ökonomische Zwänge sie in das Plus-Size-Segment getrieben haben. Zum Glück schienen das aber wirklich die Ausnahmen zu sein.

Keine Ausnahme ist die Tatsache, dass viele DesignerInnen nur bis 52/54, allenfalls bis Größe 56 Mode machen. Rund um Kleidergröße 60 und darüber hinaus dünnt sich das Feld gewaltig aus.

Plus-Size-Modelle zu entwerfen will gelernt sein

Aber es ist wohl auch nicht ganz einfach, Mode für Größen jenseits der 38 zu machen – das liegt weniger an der Größe als vielmehr daran, dass an den Modeschulen 08/15-Designen gelehrt wird. Die angehenden ModemacherInnen lernen ihr Handwerk am Idealmodell. Ein Po in Größe 48 und eine Oberweite mit Körbchengröße F sind da nicht vorgesehen. Deshalb lassen sich die Schnitte der „normalen“ Kollektionen nicht einfach auf ein paar Nummern größer aufpusten. Kurven wollen Aufmerksamkeit – eigene Schnitte, schmeichelnde Stoffe und eine Menge Know-how und handwerkliches Können. Das haben sich alle, mit denen Barbara und ich gesprochen haben, Learning by Doing selbst beigebracht.

Unglaublich bunt und abwechslungreich

Wirklich toll zu sehen war, was aus dem „Learning by Doing“ geworden ist: eine unglaubliche Vielfalt bei den unterschiedlichsten nationalen und internationalen Labeln. Vor allem die niederländischen und skandinavischen DesignerInnen scheinen ein Händchen für Plus-Size-Mode zu haben. Aber auch das griechische Label Mat macht Mode, die aus dem Rahmen fällt, mit Kollektionen die so witzige Namen wie Phantasmagoria, Fairytale oder Retrofuture tragen.

Viele der auf der Curvy is sexy ausstellenden Labels bekommt man in Fachgeschäften, sprich Boutiquen für Übergrößen, einige Marken wie Ulla Popken und Gerry Weber haben eigene Läden. Manche verkaufen ihre Mode sogar in Kaufhäusern. Jenseits der Großstadt nutzt das modeinteressierten Frauen aber gar nichts – doch zum Glück gibt’s das Internet. Fast alle DesignerInnen verkaufen ihre Modelle im Online-Shop navabi.de.

Also auf zum fröhlichen Shoppen. Ich freue mich schon jetzt auf die nächste Curvy is sexy im Sommer. Und ich wünsche mir, dass mehr runde und auch gerne ältere Modells die Mode vorführen. Denn ich will nicht wissen, wie die Klamotten an bildhübschen, jungen, schlanken Frauen aussehen, sondern ob die Mode auch für eine 48 tragbar ist.

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