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Eine verlässliche Norm für Konfektionsgrößen, bitte. Danke!

Es gibt Kilometer und Meilen. Es gibt Liter, Gallonen, Barell und andere genormte Einheiten für Größen, Mengen und Volumen. Das Umrechnen mag zwar kompliziert und unbequem sein  – aber wenigstens ist ein Liter Wasser immer und überall ein Liter Wasser. Wieso gilt das nicht für Kleidergrößen?

Es ist frustrierend. Eben bekam ich ein Paket mit drei T-Shirts aus Amerika. Die Shirts hatte ich Anfang Juni bestellt – und vor zwei Wochen hatten der US-Online-Händler und ich eigentlich betrübt beschlossen, dass mich das Paket in diesem Leben wohl nicht mehr erreichen würde – und irgendwo beim Zoll verschütt gegangen ist. Jetzt kam es doch noch an.

Hurra! Mein Dean-and-Sam-Supernatural-Geek-T-Shirt ist endlich da. Freudig gespannt packe ich die drei Shirts aus. Bestellt hatte ich sie in 3XL (eine größere Größe gab es sowieso nicht –  und ab 2XL musste man dann auch noch Aufpreis zahlen. Was tut man nicht alles für ein mutmaßlich passendes Fanshirt. Mehr zum Drama Fanshirt auch hier.) Ich ziehe also mein lang ersehntes Dean-and-Sam-Shirt an und schaue in den Spiegel.

Nun.

Ich will jetzt nicht sagen, dass ich nicht hineinpasse.

Wenn ich den Bauch einziehe, die Luft anhalte (und zwar so, dass ich vorher nicht in die Brust atme, was den Status meiner Oberweite signifikant beeinflussen könnte) – und mich nicht hinsetze, dann ist dieses 3XL-Shirt sicherlich für mich tragbar.

Nur dass mir sonst 3XL locker und gut passt.  Die drei neuen Shirts mit ihrer Zwergen-3XL hier kann ich also als Challenge verstehen: Bis November habe ich so viel abgenommen, dass Deans Kopf sich – dank meines Busens in zur Zeit Körbchengröße F – nicht mehr weitet als würde gerade ein zickiger Engel in ihn hineinfahren.  

Oder ich kann sie mir an die Wand hängen als Poster. Lustige Motive sind ja drauf.

Wieso kann XL nicht überall auf der Welt XL sein?

Nicht einmal in einem Land kann man sich auf die Kleidergrößenangaben verlassen. Das wäre ja schon mal ein Anfang. Laut Wikipedia entspricht M ja eigentlich der 40/42, L der 44/46 und XL der 48/50 – usw.  Das halte ich aber für eine grobe Schätzung, die jeden Praxistest im nächsten Laden nicht besteht. Große Größen-Hersteller scheinen zudem ihren Kundinnen nicht zumuten zu wollen, Kleider in Größen wie 5XL zu kaufen und machen daraus dann eine L, so dass ich jetzt sogar Sommerkleider in Größe S trage. Aber das ist doch alles nur verwirrender Bullshit. Als ob ich nicht wüsste, dass ich kein S-Mädchen bin. Gute Güte.

Und was ist eigentlich mit der EU, die ja sonst alles normt, was nicht bei 3 auf dem Bäumen ist? In eine italienische 44 passen elegante, kaum der Elfenfigur entwachsene Damen, eine englische 44 kann auch die kräftige Landfrau von Welt bequem tragen. Jedes Land, jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen.

Mehr Speck, mehr Lotto.

Dabei ist das Klamotten kaufen ansich schon mit einer gehörigen Portion Frust behaftet, wenn man größere Größen trägt. Irgendwie verteilt sich der Speck ja bei jeder Frau an komplett anderen Stellen, weshalb eine gut sitzende Jeans quasi ein Sechser im Lotto ist.  Erst recht, wenn da mehr Speck ist, der sich zu verteilen hat. Mehr Speck, mehr Lotto.  Denn ansich haben das Problem mit gut sitzenden Hosen alle Frauen, wie mir schlanke Freundinnen erzählen.

Es ist so schon mühsam genug, passende, tragbare und bezahlbare Kleidung zu finden – die mir dann auch noch gefällt. Wieso können dann die Größenangaben der Hersteller nicht etwas mehr Orientierung bieten als das bisher der Fall ist?

Ganz besonders, wenn man online einkauft (ein Grund, warum aus meiner Sicht die kostenpflichtige Retoure sich im Onlinehandel bei Kleidung nicht durchsetzen wird. Wenn ich die Sachen nicht unkompliziert zurücksenden kann, wenn sie mir nicht passen, lass ich es lieber ganz bleiben).

Und Nein – ich habe keine Lust, ständig an 7 verschiedenen Stellen meines Körpers nachzumessen, ob mir dieses oder jenes Teil eventuell passen könnte.

Und Nein – ich will jetzt auch nicht dem allgemeinen Hipster-Trend folgend das Nähen, Stricken und Häkeln lernen, um mich selbst einzukleiden. Ich finde, ab und an kann man die Vorteile der industrialisierten Arbeitsteilung auch mal genießen (und Ja – ich bin auch bereit, mehr Geld auszugeben, damit keine indischen Kinder diesen Job zu Hungerlöhnen machen müssen.)

Bei navabi machen sie es übrigens besser und sortieren die diversen Herstellerangaben in ihre eigene Größentabelle, so dass man bei einer 46 ziemlich sicher sein kann, dass die auch passt, wenn die bisher immer passte. Hat bei mir erst einmal nicht funktioniert. (Ich kenne den Laden echt noch nicht lange, wir werden aber sicher trotz ziemlich langer Lieferzeiten sehr gute Freundinnen werden.)

Am Montag bekomme ich einen sehr coolen Game of Thrones-Hoodie in 2XL aus dem britischen HBO-Shop mitgebracht. Drückt mir die Daumen, dass der Stark-Wolf passt!

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