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Große Größen? Geh doch ins Netz!

Die gute Nachricht ist: Es gibt mittlerweile zahlreiche Labels im mittleren Preissegment, die endlich verstanden haben, dass auch Frauen jenseits von Kleidergröße 44 sich gerne schick anziehen. Die schlechte: Es ist ihnen offensichtlich peinlich, das zu öffentlich zu zeigen.

Gerry Weber (Samoon bis Größe 54) gibt es ja schon länger, aber jetzt bietet auch S. Oliver (mit Triangle bis Größe 54) und Mango (mit VIOLETA bis Größe 52) endlich die Möglichkeit, schick shoppen zu gehen, ohne arm zu werden. Von VIOLETA habe ich bisher nur gelesen (darauf komme ich gleich noch). Triangle trage ich neuerdings selbst, finde viele Sachen klasse, mag die Schnitte und Farben.

Eigentlich.

Wenn da nicht die schlechte Nachricht wäre, dass man sich bei den entsprechenden Unternehmen anscheinend dafür schämt, Große Größen anzubieten. Oder wie muss ich das verstehen, dass in Berlin nicht ein einziger der sieben S.Oliver-Laden Triangle führt? 

Nicht mal ein kleines, verschämtes Regal. 

Bei Mango bin ich auch nicht fündig geworden. Und die meisten Gerry Weber-Läden sind ebenfalls samoonfreie Zone. (Immerhin findet man Samoon oft bei Karstadt oder Kaufhof. Insofern bleib ich da jetzt mal gnädig gestimmt.) Bei S.Oliver sagte mir eine Filial-Mitarbeiterin auf Nachfrage, man hätte in der Geschäftsleitung überlegt, ob man das in der neuen Filiale im Boulevard Berlin Triangle anbietet, aber die Ladenflächen wären dann leider zu teuer gewesen. (Mizz Bartoz hat sich zurecht über diese Argumentation schon hier aufgeregt.)

Dann vertröstete sie mich damit, dass ich die Sachen gerne bequem online bestellen und in eine Filiale senden lassen könnte, um sie anzuprobieren. Und wedelte dabei begeistert mit ihrem Tablet vor meiner Nase. „Hier können Sie mir alles zeigen, was Ihnen gefällt.“ Äh. Ja. Danke.

Ich geh dann mal wieder.

Das ist für mich nicht shoppen. Bitte nicht falsch verstehen. Ich kaufe recht oft online ein, finde das durchaus bequem. Und ich will jetzt die beiden Kaufstrategien gar nicht gegeneinander ausspielen. Ich hätte nur einfach gerne die Wahl, ob ich online einkaufe – oder in einem Laden mal probiere, was mir überhaupt steht und passt, wie sich die Stoffe anfühlen, wie das Ganze sitzt...

Die Angst vor der dicken Frau im Laden

Diese Angst vor der dicken Frau im Laden fiel mir auch schon im Frühjahr bei der Fashion Week in Berlin auf, da waren Anja und ich ja auf der Cury is sexy. Wenn man fragte: Wo kann ich ihre Sachen denn finden? Kam meistens die Antwort. Bei navabi. Ja. Ich mag navabi auch sehr gerne. Aber wieso müssen so viele Frauen online kaufen, wenn sie was Vernünftiges tragen wollen? Zumindest vorgeblich "junge Label" scheinen damit ein Problem zu haben, dicke Frauen in ihren Läden als willkommene Konsumentinnen zu begreifen.

Hinzukommt, dass auch in „normalen“ Läden ganz oft die größte Größe schon weg ist. Wer XL oder XXL von Standardherstellern haben möchte, muss ebenfalls ins Netz.

Zeig mir deine Models und ich sag dir, wie ernst du mich nimmst.

Davon abgesehen: Schaut mal in den Triangle-Onlineshop: Ich würde mal behaupten, dass sie für die aktuellen Models die kleinste Triangle-Größe nochmal ordentlich abnähen mussten. Bei Samoon und VIOLETA dito. Ich kann ja noch nachvollziehen, dass man in den wenig risikobereiten deutschen Vorstandsetagen nicht gerade ein Größe 54-Model als Markengesicht nehmen will. Ich find’s zwar tendenziell doof und wünsche mir da mehr Vielfalt und vor allem Haltung. Aber verstehe das noch irgendwie. Aber wie wäre es denn mit einer tollen 44er oder 46er Frau? Das würde unsere Sehgewohnheiten ja nun nicht völlig überfordern, behaupte ich einfach mal. Und wenn ich mir Denise Bidot anschaue, die gerade das Gesicht des dänischen Modelabels Zizzi ist, denke ich: WOW! Allein schon wegen der selbstbewussten wunderschönen Models, die dieses Label präsentieren, liebe ich es.  Bei Zizzi habe ich auf der Curvy is Sexy-Messe in Berlin übrigens auch das erste Mal Kleiderpuppen gesehen, die Größe 44 tragen.  Ha!

Geht doch: Sexy Powermodels jenseits Kleidergröße 40.
Foto: zizzi - ball group denmark

Geht doch: Sexy Powermodels jenseits Kleidergröße 40.

Auf der New Yorker Fashion Week liefen neulich sogar die ersten Plus Size Models auf zwei normalen Shows. Da bekam Frau Wintour sicher nervöse Nasenzuckungen und Karl Lagerfeld knabberte schockiert an seiner täglich erlaubten Möhre.  Und auf den Plus Size Fashion Shows in London und Paris habe ich richtig pralle Mädels gesehen. Richtig pralle. Das ist mutig. Und cool. Es verändert unsere Sehgewohnheiten. Das macht wirklich was mit uns.

Hingegen Deutschland: Als wir im Frühjahr in Berlin auf der Curvy is sexy waren, erzählte uns eine niederländische Modedesignerin, dass sie ihre Kleider nicht auf den Laufsteg schickt, weil sie alle Kleider in 48 dabei hätte – die Models aber nur 42 tragen würden. Das sieht dann natürlich doof aus. Allerdings fing die Plus Size-Messe da auch mit Größe 38 (sic!) an. Da ist ne 42 natürlich schon quasi adipös.

Also. S. Oliver & Co: Ich mag eure Mode. Schön, dass es diese Plus Size-Label mittlerwiele gibt. Aber so ganz kann ich das alles noch nicht ernst nehmen. Denn offensichtlich nehmt ihr mich als Konsumentin auch noch nicht so richtig ernst. Da geht noch was. 

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P.S. Wenn ich in meiner alte Heimat bin, kann ich mich immer bei Kaufhof in Heidelberg am Bismarckplatz eindecken. Dort gibt es auf einer relativ kleinen Ladenfläche Triangle (da habe ich dieses Label überhaupt entdeckt!), Samoon, Via Appia – und Zizzi und viele andere schicke Große Größen-Label. Eigentlich finde ich da immer was. Und der S.Oliver Laden in Mannheim hatte tatsächlich auch eine kleine Triangle-Ecke!

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