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Gute Vorsätze – Ziele S.M.A.R.T. setzen und erreichen

Wenn mein Verdienst von meinen tatsächlich umgesetzten Vorsätzen abhinge, wäre ich Dauergast im Job-Center. Trotz dieser deprimierenden Bilanz halte ich es mit dem guten alten Watzlawick: „Mehr desselben“  und reihe mich in die Masse derjenigen ein, die es in der ersten Januarwoche eines jeden noch jungfräulichen Jahres erneut versuchen – und spätestens an Ostern scheitern (allerspätestens).

Aber dieses Jahr wird alles anders, denn ich gehe den Ursachen des Scheiterns auf den Grund und werde meine Vorsätze und Ziele S.M.A.R.T. formulieren – was das bedeutet, dazu gleich mehr.

Warum wir mit Vorsätzen scheitern können

Das Scheitern hat verschiedene Gründe, die jede von uns individuell kombiniert und durch ganz eigene Sabotagestrategien ergänzt, um die gefassten Vorsätze sicher zu Fall zu bringen.

Ganz vorne auf der Liste der Top Ten der Scheiter-Ursachen steht die galoppierend schwindende Motivation, gefolgt von unklar definierten Zielen, nicht eingehaltenen Belohnungsversprechungen, unrealistischen Zielen oder Zielen, die wir selbst eigentlich gar nicht anstreben, aber glauben erfüllen zu müssen, weil irgendwer (PartnerIn, Eltern, FreundInnen, der Kegelclub, die KollegInnen, der Papst, die Gesellschaft, the Great Pumkin, whothefuckever) das für uns für unglaublich wichtig hält. Wahnwitzige Zeitvorgaben garantieren ebenso das Scheitern wie Umstände, die so gar nicht zu unseren Vorsätzen passen.

Wir wissen das alles – oder ahnen es zumindest. Aber wir geben nicht auf. Nehmen uns jedes Jahr aufs Neue vor, was auch immer zu erreichen.

Eine Projektmanagement-Strategie kann helfen, Ziele zu erreichen

Warum also nicht ein bisschen nachhelfen und dafür sorgen, dass die Chancen auf Erfolg rasant steigen?

Im Projektmanagement werden zur erfolgreichen Zielerreichung verschiedene Tools, Instrumente und Strategien genutzt. Eine davon ist S.M.A.R.T. Die S.M.A.R.T.-Strategie wurde erstmals 1981 von George T. Doran publiziert und findet sich seitdem in jedem Projekt-, Zeit- und Lebensmanagement-Buch – na ja, in fast jedem.

Was verbirgt sich hinter S.M.A.R.T.?

S.M.A.R.T. ist eine Anleitung zur Zielbestimmung. Ziele sollen S.M.A.R.T sein:

S. = Specific/Simple = spezifisch, einfach und klar
M. = Measurable = messbar
A. = Attainable/Achievable = aktiv beeinflussbar, angemessen
R. = Relevant = relevant
T. = Time-related = terminierbar

S = Spezifisch, einfach und klar

„Dieses Jahr nehme ich aber wirklich ab.“ Hübsche Idee. Aber mal ganz ehrlich: Was heißt das? Ich esse zwei Tage vor dem nächsten Silvester nichts, bin ein Pfund los und habe meinen Vorsatz umgesetzt? Oder bedeutet es, ich hungere mich durchs Jahr bis ich von Kleidergröße 52 bei Size Zero gelandet bin?

Wenn mein Vorsatz nicht eines frühen Todes sterben soll, muss ich mir konkret überlegen, was ich will. Z. B.: Ich möchte pro Monat ein Kilo abnehmen und mich dabei gesund ernähren, ohne zu darben. Das heißt, ich richte mich z. B. nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und suche mir ein dazu passendes Abnehmprogramm.

Das ist doch was. Damit lässt sich etwas anfangen.

M = messbar

Um ein Ziel erfolgreich zu erreichen, muss ich wissen, wann ich es denn erreicht habe. Ich nehme ab, höre auf zu rauchen, bringe den Garten in Ordnung … aber wann habe ich das geschafft? Wenn ich 2, 12, 20 Kilo leichter bin? Wenn ich eine Woche keine Zigarette angerührt habe? Wenn der Rasen gemäht und das Unkraut gezupft ist oder wenn mein Garten einer mehrseitigen Fotostory in „Better Homes and Gardens“ würdig ist?

Ein Ziel, dessen Erreichung nicht messbar ist, demotiviert: Entweder weil wir es wie Sisyphos nie erreichen oder weil wir nach einem Kilo behaupten können: Siehste, ich hab abgenommen – ich setze meine Vorsätze eben um! Aber tief in unserem Innern wissen wir, dass das eine Kilo nicht das war, was wir wollten (meistens jedenfalls nicht).

Deshalb ist es wichtig, dass sich das Ziel genau bestimmen lässt: 10 Kilo abnehmen, einmal pro Woche 1 Stunde Sqash spielen für ein halbes Jahr, einen 10-wöchigen Malkurs buchen und besuchen. Ein bisschen schwierig gestalten sich zugegebenermaßen Vorsätze, die – wie das Rauchen aufzuhören – im Grunde nie abgeschlossen sind. Hier hilft es, sich zunächst eine Zeitspanne vorzunehmen, in der auf Zigaretten verzichtet wird – wenn es ganz schwer fällt nach dem Motto der Anonymen Alkoholiker: nur diesen einen Tag (und das jeden Morgen aufs Neue).

A = aktiv beeinflussbar, angemessen

Es klang schon durch: aussichtslose Ziele sind ebenso demotivierend wie zu niedrig gesteckte. Das Ziel, das wir uns setzen, sollte also angemessen sein. Angemessen bedeutet: Es passt zu mir, es fordert mich und es ist möglich, das Ziel zu erreichen …
Ich werde mit meinen 48 Jahren und zwei Zentnern Kampfgewicht keine Karriere mehr beim Fernsehballett machen – nicht mal als Souffleuse –, aber nichts hindert mich daran, einen Tanzkurs zu besuchen oder zu einer Jazz-Dance-DVD durchs Wohnzimmer zu hüpfen, wenn ich endlich tanzen lernen möchte.

Die Motivationsforschung hat herausgefunden, dass wir am stärksten motiviert sind, wenn unser Ziel so gesteckt ist, dass wir uns anstrengen müssen, uns aber nicht überfordern. Deswegen ist ein einzelnes verlorenes Kilo in der Regel kein motivierendes Ziel ebenso wenig wie der Vorsatz, ein gefeierter Opernstar zu werden, wenn ich noch nicht einmal „Oh du fröhliche“ fehlerfrei trällern kann.

Auch der feste Vorsatz, 2014 endlich den Partner oder die Partnerin fürs Leben zu finden, kann in einer fetten Depression enden – allerdings aus einem anderen Grund: Ich kann zwar einiges tun, um potentielle PartnerInnen kennenzulernen, aber ob ich oder mein Gegenüber uns verlieben, habe ich nicht in der Hand. Ebenso wenig wie die Kugeln beim Mittwochslotto. Wenn ich nur wenig Einfluss darauf habe, ob ich ein Ziel erreiche oder nicht, ist auch hier der Frust vorprogrammiert.
Hier empfiehlt es sich, das Ziel noch einmal zu überdenken und aus „Ich lerne dieses Jahr meine PartnerIn fürs Leben kennen“ einfach „Ich werde mich  bei einem Online-Partner-Find-Portal anmelden“ zu machen. Noch besser wäre: „Ich melde mich in einem Sportverein an und bin offen für die Menschen, auf die ich dort treffe.“ Dann habe ich wenigstens was für meine Gesundheit getan, wenn es schon mit der Liebe nicht klappt. (Ich habe meine Freundin übrigens im Karate-Verein kennengelernt – kann Sportvereine also nur wärmstens empfehlen.)

R = relevant

Ein wichtiger Aspekt ist die Bedeutung, die das Ziel für mich persönlich hat: Will ich den Garten in Ordnung bringen, weil es mir in der Seele wehtut, dass die David-Austin-Rose, die ich von der Vorbesitzerin übernommen habe, inzwischen vom wilden Wein fast erwürgt wird. Oder habe ich bloß keine Lust mehr auf das Genöle des Nachbarn, der was von Nacktschneckenzuchtgebiet faselt. Will ich mit dem Rauchen aufhören, weil ich mir die Lunge aus dem Leib huste und meine 90-jährige Großtante mich beim Treppensteigen schon auf der dritten Stufe abhängt? Oder will ich aufhören, weil die Vernunft und diverse Fernsehberichte sagen, dass Rauchen ungesund ist?

Am wirkungsvollsten sind Ziele, die ich tief in meinem Innern herbeisehne und deren Umsetzung mir Freude macht. Wenn ich beim Malen die Welt vergessen kann und sich die Endorphinausschüttung angesichts eines gelungenen Schafsnäschens in Aquarell verzehnfacht, stehen die Chancen gut, dass ich den gebuchten Malkurs auch weiterhin besuche. Vielleicht habe ich das Malen ja nur aufgegeben, weil es immer Wichtigeres zu tun gab – Arbeit, Putzen, Familie, dem Hund Manieren beibringen etc. Wenn ich allerdings nur deshalb wieder mit dem Malen anfangen will, weil meine Mutter meint, es sei eine Schande, dass ich mein Talent vergeude, wo ich doch früher so hübsche Katzenbilder gezeichnet habe, dann sieht es schlecht aus für meine Teilnahme am Malkurs. Vor allen Dingen, wenn ich inzwischen viel besser mit einer Spielekonsole und Ego-Shootern entspanne.

T = terminierbar

Zeitmanagement spielt bei der Umsetzung von guten Vorsätzen eine wichtige Rolle. Ziele wollen terminiert werden. Ja, genau – die Ziele wollen das! Und die guten Vorsätze auch! Sonst sagen sie nämlich: „Wenn wir keinen Termin haben, kannst du mich mal“ und sind auf einmal einfach weg. Abgehauen, von der Bildfläche verschwunden, vergessen.

Ja, ja, ich kümmer mich dieses Jahr um den Garten. Ehrlich! Versprochen!! Und plötzlich ist es Oktober, der Garten sieht immer noch aus wie die Hecke um Dornröschens Schloss, aber jetzt im Herbst lohnt es sich auch nicht mehr, was zu machen. Aber nächstes Frühjahr ganz bestimmt!

Das wäre vermutlich nicht passiert, wenn es einen Starttermin gegeben hätte: Am 1. März gehe ich in den Garten und tue, was getan werden muss. Auch Abschlusstermine sind hilfreich: Bis zum 30.6. sind die Beete unkrautfrei und neu bepflanzt und die Hundehütte gestrichen.
Falls sich aus beruflichen oder persönlichen Gründen kein Tag-genauen Termine setzen lassen, empfiehlt sich eine Zeitspanne: Im März arbeite ich insgesamt drei Tage im Garten. Schlimmstenfalls muss dann das letzte Märzwochenende dran glaube.
Aber ohne dass ein Startschuss- bzw. –termin fällt, wird aus der Umsetzung der meisten Ziele nichts. Denn viele Menschen sind meisterhaft, wenn es um das Verschieben von Aufgaben geht: Morgen fange ich, ganz bestimmt!

Deshalb: kein Vorsatz ohne Termin: Beginnen am … beenden am … Und richtig gut ist für größere Projekte ein Zeitplan – sozusagen die hohe Schule der Vorsatzumsetzung.

Der Aktionsplan für umsetzbare Vorsätze

  1. Spezifische Ziele: Was genau will ich erreichen?
  2. Messbare Ziele: An welchem Punkt X habe ich mein Ziel erreicht?
  3. Aktiv beeinflussbare und angemessene Ziele: Was kann ich tun, um mein Ziel zu erreichen? Verfüge ich über die Mittel und die Möglichkeiten, meinen Vorsatz umzusetzen?
  4. Relevante Ziele: Warum will ich dieses Ziel erreichen?
  5. Terminierte Ziele: Wann beginne ich und wann werde ich mein Ziel erreicht haben? Wann unternehme ich welche Schritte zur Umsetzung?

Also los, krall dir den Aktionsplan und mach den guten Vorsatz wahr!

 

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