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Prokrastination II: Und täglich grüßt die Müdigkeit

Es gibt Dinge, die rutschen mir immer wieder zwischen Müdigkeit und tatsächlich in Bett gehen – Serien gucken, E-Mails beantworten, schnell noch ein letztes Mal für heute facebooken. Anderen Menschen geht’s offenbar genauso – mit fatalen Folgen für die Gesundheit. Eine niederländische Forschungsgruppe hat das Phänomen untersucht und „Bedtime Procrastination“ getauft.

Noch schnell, bevor ich ins Bett gehe …

Eigentlich wollte ich so gegen 23:00 Uhr schlafen, damit ich am nächsten Tag ausgeschlafen bin. Ich brauche nämlich meine 8 Stunden Schlaf, sonst hänge ich den ganzen Tag wie ein Schluck Wasser in der Kurve auf meinem Bürostuhl und quäle mich von Aufgabe zu Aufgabe, immer mit einer Hand an der Kaffeetasse.

Aber dann hab ich schnell noch mal den Fernseher angeschmissen, nur kurz, zum Entspannen und Runterkommen. Und gerate bei „The big bang theory“ in die Folge mit dem Roboterarm … Die muss ich natürlich zu Ende sehen. Und die nächste auch noch und die übernächste … (Dass die Sender immer ein halbes Dutzend Folgen einer Serie am Stück zeigen, ist wirklich ein ganz übler Trick.) Schwupps ist es nachts um Viertel nach eins. Zu dumm, dass ich jetzt über den Punkt hinaus bin, an dem ich das Licht ausmache und sofort wegschnarche. Also noch ein halbes Stündchen im Bett lesen, bis mir die Augen zu fallen. Ich stelle meinen Handywecker vorsorglich schon mal auf eine halbe Stunde später. Das Biest sagt mir, dass ich trotzdem nur noch 6 Stunden und 15 Minuten bis zum Aufstehen habe.

Abends nicht ins Bett gehen ist auch eine Form des Aufschiebens

Während ich früher dachte, ich sei einfach nur ein bisschen luschig und eben irgendwie doch eine Nachteule, weiß ich nun, dass es sich um eine Form des Aufschiebens handelt: Bedtime Procrastination – das heißt, später als geplant ins Bett gehen, ohne dass ich durch äußere Umstände dazu gezwungen werde. Dabei ist Schlafen doch eigentlich schön. Deshalb ist Bedtime Procrastination – so die niederländische Studie – auch weniger ein Problem des Aufschiebens einer unerfreulichen Aufgabe als vielmehr eine Schwierigkeit, eine angenehme Tätigkeit abzubrechen. Um das herauszufinden, wurde 177 Menschen unterschiedlichsten Alters und Backgrounds nach ihren Schlafgewohnheiten befragt. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die ohnehin ein Problem mit Selbstregulation, Selbstkontrolle und Aufschieben haben, auch anfällig fürs Aufschieben des Zubettgehens sind. Nicht verwunderlich, dass diese Menschen laut Studie auch unausgeschlafen, tagsüber müde und unausgeruht sind.

Schlafmangel macht dick - Gesundheitliche Folgen von Bedtime Procrastination

Problematisch ist Bedtime Procrastination nicht nur, weil ich am nächsten Morgen nicht richtig ausgeschlafen bin, sondern auch, weil mit diesem Schlafmangel – vor allem wenn er chronisch ist – verschiedene Gesundheitsprobleme einhergehen: als unmittelbare Folgen zunächst Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisprobleme. Darüber hinaus führt Schlafmangel aber auch langfristig zu Übergewicht ("Studie: Schlafmangel macht dick"), Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In diesem Fall macht Fernsehgucken also dick, auch ohne Chips. (Da kriegt „Schlank im Schlaf“ doch gleich eine ganz andere Bedeutung.)

Bedtime Procrastination ist übrigens ein ziemlich neues Phänomen. Durch die mediale Rund-um-die-Uhr-Bespaßung haben wir heute viel mehr Möglichkeiten, dem Schlafen aus dem Weg zu gehen als früher in der Testbild- und Prä-Internet-Ära. Allerdings bringt mich diese Erkenntnis nicht früher ins Bett.

Aber da es sich um ein Aufschieberitis-Phänomen handelt, helfen möglicherweise auch Strategien gegen das Aufschieben.

Rituale gegen das Aufschieben

In einem Online-Kurs, den ich gerade mitmache („MOOCen gegen chronisches Aufschieben“), wird bei Startschwierigkeiten – einem klassischen Aufschiebe-Problem – ein Signal und ein Ritual empfohlen. Z. B. eine Viertelstunde vor dem geplanten Beginn ein Weckerklingeln, anschließend einen Tee kochen und dann loslegen. Das könnte doch auch beim Insbettgehen helfen. Zumal solche Rituale ja auch Menschen mit Einschlafproblemen empfohlen werden.

Ich werde mir heute einen Wecker stellen, dann einen Schlaftee kochen, ihn mit ans Bett nehmen und noch eine Viertelstunde lesen. Dann mache ich das Licht aus … und schlafe hoffentlich.

Wer mehr über die Studie wissen möchte, kann hier nachlesen: Bedtime procrastination: introducing a new area of procrastination

 

Nachtrag: Ich habe es tatsächlich geschafft: Als der Wecker um Viertel vor elf klingelt, habe ich den Fernseher ausgemacht, mir einen Tee gekocht und lag um elf im Bett. Okay – im Fernsehen kam eh grad nichts, was ich sehen wollte, und aus der Viertelstunde lesen wurde eine Dreiviertelstunde, aber ich finde, es ist immerhin ein Anfang. Heute mache ich die Wecker-Tee-ab-ins-Bett-Geschichte wieder.

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